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Beteiligungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit

Ausgangslage

„Es scheint niemanden von den Kolleginnen und Kollegen wirklich zu interessieren, was wir als Betriebsrat für sie tun. Wir erhalten kaum Rückmeldungen von den Kolleginnen und Kollegen.“ Solche und ähnliche Aussagen wurden von Betriebsräten des Netzwerks für Gesundheitsbeschäftigte des öfteren in der Anfangsphase des Netzwerks geäußert.

Kein Feedback von Kolleginnen und Kollegen zur Arbeit der betrieblichen Arbeitnehmervertretung zu erhalten, kann für Betriebsräte demotivierend wirken. Die Frage ist, woran liegt es? Haben die Kolleginnen und Kollegen wirklich kein Interesse an der Arbeit der betrieblichen Arbeitnehmervertretung oder muss ganz einfach die Kommunikation zwischen Beschäftigten und betrieblicher Arbeitnehmervertretung anders gestaltet werden?

Betriebsräte des Netzwerks für Gesundheitsbeschäftigte sind dem nachgegangen und haben in Ihrem Betrieb die nachfolgend vorgestellten Kommunikationsformen ausprobiert.

Die Kommunikation mit den Beschäftigten ist für die betriebliche Arbeitnehmervertretung ein elementarer Bestandteil ihrer Arbeit. Um nachhaltig im Betrieb wirken zu können, müssen Betriebsräte wissen, was die Kolleginnen und Kollegen bewegt. Sie müssen deren Bedarfe, Interessen und Wünsche kennen. Gleichzeitig muss der Betriebsrat in der Lage sein, die Belegschaft zu betrieblichen Themen zu informieren und gemeinsam mit ihnen aktuelle Fragen zu diskutieren.

Damit im Arbeitsalltag der Kommunikationsfluss zwischen Beschäftigten und betrieblicher Arbeitnehmervertretung nicht verloren geht, Informationen umfassend, schnell und transparent weitergegeben werden und dabei die Lockerheit im Umgang miteinander bewahrt wird, können Formen der beteiligungsorientierten Öffentlichkeits-/ Kommunikationsarbeit angewandt werden. Diese erzeugen bei den Kolleginnen und Kollegen Aufmerksamkeit und können je nach Ausgestaltung zum Mitmachen auffordern. Mit einfachen Mitteln können somit große Wirkungen erzielt werden.

Der Betriebsrat eines regionalen Gesundheitsdienstleisters benötigte im Rahmen seiner Anstrengungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz einen ersten, groben Überblick zu den körperlichen und psychischen Belastungen und Beanspruchungen der Kolleginnen und Kollegen im Betrieb. Um mit relativ geringem Aufwand eine schnelle und sichere Rückmeldung zu erhalten, hat sich der Betriebsrat für ein Körper-Mapping im Rahmen der nächsten Betriebsversammlung entschieden.

Das Körper-Mapping ist eine beteiligungsorientierte Kommunikationsform, das durch die kreativ-spielerische Form auf das angesprochene Thema aufmerksam macht und zugleich auf die aktive Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen zielt.

Mit der Frage „Wo tut es Euch am meisten weh bzw. wo habt Ihr die größten Beschwerden?“ ist ein Mitglied des Betriebsrats mit einem weißen Maleroverall angezogen während der Betriebsversammlung durch die Reihen der Beschäftigten gegangen. Ausgestattet mit jeweils zwei Klebepunkten konnten die Kolleginnen und Kollegen an den Stellen des Maleroveralls ihre Punkte hinterlassen, wo sie ihre größten Beschwerden hatten. Auf diese Art und Weise gewann der Betriebsrat einen raschen Überblick und konnte relativ einfach mit den Kolleginnen und Kollegen bereits bei dieser Versammlung dazu vertiefend ins Gespräch kommen.

Eine weitere Variante des Körper-Mappings unter Einhaltung von Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften ist, Körperumrisse auf den Boden oder auf einem körpergroßen Plakat zu malen und die Kolleginnen und Kollegen zu bitten, dort ihre Punkte zu hinterlassen.

Um eine beteiligungsorientierte Öffentlichkeits-/ Kommunikationsarbeit im Betrieb durchzuführen, bedarf es vor allem Kreativität und Spaß an Aufmerksamkeit. Betriebliche Arbeitnehmervertretungen sollten folgende Schritte berücksichtigen.

1. Verständigung im Gremium

Die Mitglieder der betrieblichen Arbeitnehmervertretung haben sich im Gremium zu verständigen, wie die Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen zu erfolgen hat. Um Aufmerksamkeit zu erzielen, können auch ungewöhnliche, kreative Wege und Mittel ausprobiert werden. Neben den Inhalten hängt diese Entscheidung über die Kommunikationsformen v.a. auch von den zur Verfügung stehenden Mitteln und vom zeitlichen Rahmen bei der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung ab.

2. Einhaltung von Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften

Kreative, beteiligungsorientierte Öffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit benötigt ihren „eigenen Raum“. Das entspricht nicht immer den Vorstellungen aller im Betrieb und kann auf Widerwillen stoßen. Unwiderruflich einzuhalten sind jedoch die Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften im Betrieb. Die betriebliche Arbeitnehmervertretung hat sich daher im Vorfeld darüber zu informieren und beim Einsatz beteiligungsorientierter Öffentlichkeits- und Kommunikationsmittel den Sicherheits- und Unfallvorschriften zu entsprechen.

3. Reflektion der gewählten (neuen) Methode

Im Anschluss einer jeden beteiligungsorientierten Kommunikationsarbeit sollte die neue Methode oder das neue Mittel kritisch hinterfragt werden. So sollte von den Mitgliedern der betrieblichen Arbeitnehmervertretung diskutiert werden, wie wirksam und effizient der Einsatz war und ob für eine weitere, zukünftige Nutzung Veränderungsbedarfe zu berücksichtigen sind.