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Gremienarbeit strukturiert voranbringen

Ausgangslage

Betriebsratssitzung: Auf der Tagesordnung steht neben der Genehmigung der Dienstpläne auch die Vorbereitung des Monatsgesprächs mit der Geschäftsführung am kommenden Tag. Die Mitglieder des Betriebsrats möchten eine Zusage für eine einheitliche Regelung zur Dienstkleidung von der Geschäftsführung erhalten. Dabei soll für alle in der Pflege tätigen Beschäftigten eine durchschnittliche Umziehzeit von 16 Minuten je Dienst als Arbeitszeit anerkannt werden.

Das Thema beschäftigt den Betriebsrat schon seit Monaten; es war immer wieder Thema bei den Sitzungen. Doch um gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen, fehlt eine Übersicht mit den Argumenten für den Betriebsratsvorschlag und möglichen Einwänden der Geschäftsführung. Die Betriebsratsvorsitzende fragt, ob diese Übersicht bis morgen noch von jemanden erstellt werden kann. Die Antwort: „Du machst das schon. Immerhin bist Du unsere Betriebsratsvorsitzende.“

Diese Situation ist vielen Betriebsräten nicht unbekannt. Auch wenn am Ende irgendwie eine zufriedenstellende Lösung erzielt wird, können Monatsgespräche mit der Geschäftsführung effizienter und strukturierter vorbereitet werden. Wie es gehen kann, zeigt das Beispiel eines Betriebsrats aus dem Netzwerk Gesundheitsbeschäftigte.

Auch der Alltag der Betriebsratsarbeit wird heute durch eine zunehmende Komplexität, steigende Geschwindigkeiten und Aufgabenverdichtung bestimmt. Für den Betriebsrat gilt es dabei, sowohl die Erwartungen und Ziele der Kolleginnen und Kollegen als auch die des Betriebes im Blick zu behalten. Nicht selten kollidieren die unterschiedlichen Vorstellungen, was für die Mitglieder des Betriebsrats eine enorme Herausforderung darstellt. Hinzu kommt, dass sich Betriebsräte oftmals das notwendige Wissen und die Kompetenzen für ihre Betriebsratstätigkeit parallel und zusätzlich zu ihrer auszuübenden beruflichen Tätigkeit aneignen müssen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen und eine gute Interessenvertretungsarbeit zu leisten, gilt es die Arbeit innerhalb des Gremiums und zwischen den Mitgliedern zu strukturieren. Ein geordnetes Vorgehen – insbesondere die inhaltliche Organisation der Betriebsratsarbeit – bildet das Fundament für die Gestaltung Guter Arbeit im Betrieb.

Bei einem regionalen Pflegedienstleister wurde die von den Beschäftigten benötigte Umkleidezeit zum An- bzw. Ablegen der vorgeschriebenen Dienstkleidung von Vorgesetzten verschieden bewertet und in der Praxis unterschiedlich gehandhabt. Dieser uneinheitliche Umgang sorgte bei den Beschäftigten für Unmut. Damit zukünftig eine einheitliche Regelung im Betrieb angewandt wird, hat sich der Betriebsrat der Problematik angenommen und sein Vorgehen hierzu strukturiert.

Im Rahmen einer Betriebsratssitzung haben sich die Mitglieder über das Problem verständigt. Sie stellten dabei fest, dass ihnen Informationen zum Umgang aus den verschiedenen Stationen und Häusern fehlten. Um die Situation genauer einschätzen und ein betriebsrätliches Vorgehen ableiten zu können, verabredeten sie bis zur übernächsten Sitzung Rücksprache mit Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Bereichen zu halten. Für jeden Bereich wurde dabei die Zuständigkeit eines Betriebsratsmitglied festgelegt.

Nachdem die Informationen zusammengetragen und überblicksartig festgehalten wurden, berieten die Mitglieder über das weitere Vorgehen. Die daraus resultierenden Aufgaben wie etwa das Aufschreiben der unterschiedlichen Interessenslagen im Betrieb, die Durchsicht des aktuell geltenden Tarifvertrags und die Rücksprache mit der zuständigen Gewerkschaft wurden mit Verantwortlichkeiten und Fristen versehen. Diese wurden visualisiert und als Arbeitsplanung im Betriebsratsbüro für alle sichtbar angebracht.

In einer weiteren Sitzung beriet der Betriebsrat entlang der eingeholten Informationen über einen Lösungsvorschlag zum Umgang mit dem Problem. Bevor dieser jedoch mit der Geschäftsführung im Monatsgespräch erörtert wurde, wurde der Vorschlag den Kolleginnen und Kollegen im Rahmen einer Betriebsversammlung vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Hierbei konnten hilfreiche Ergänzungen und Argumente aufgenommen werden, gleichzeitig wurde das Vorgehen allen Beschäftigten transparent kommuniziert.

Jedes Gremium der betrieblichen Arbeitnehmervertretung muss für sich seine eigene Arbeitsweise finden. Dabei können verschiedene Wege und Mittel angewandt werden. Für eine gut strukturierte Gremienarbeit sollten dabei folgende Aspekte berücksichtigt werden.

1. Problemanalyse im Gremium

Innerhalb des Gremiums sollten sich die Mitglieder der betrieblichen Arbeitnehmervertretung über die Problematik austauschen. Sie sollten sich darüber verständigen, wie sich die aktuelle Situation im Betrieb darstellt, was der Kern des Problems ist sowie welche betrieblichen Akteure mit welchen Interessen/ Positionen beteiligt sind bzw. sein werden. Das ist v.a. hilfreich, um das Ausmaß bzw. die Betroffenheit besser einschätzen zu können und entsprechende Handlungsmaßnahmen abzuleiten.

2. Aufgabenverteilung innerhalb des Gremiums

Da die Arbeit der betrieblichen Arbeitnehmervertretung sehr vielseitig und umfangreich ist, gilt es die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Der bzw. die Vorsitzende ist zwar in einer besonderen Verantwortung, doch sie allein können die Arbeit nicht stemmen. Daher gehört es zu einer strukturierten Gremienarbeit, die verschiedenen Aufgaben zwischen den Mitgliedern aufzuteilen und die Verantwortung gemeinsam zu tragen. Um auch mittel- und langfristig Wissen und Know-how innerhalb des Gremiums aufzubauen, können sich einzelne Mitglieder zu bestimmten Themen wie Arbeitszeit, Qualifizierung oder Öffentlichkeitsarbeit zur Expertin oder zum Experte entwickeln.

3. Visualisierung

Über die Sitzungen der betrieblichen Arbeitnehmervertretungen werden Protokolle verfasst, die den Wortlaut von Beschlüssen und die Stimmenmehrheiten enthalten. Neben diesen Niederschriften kann es für die Motivierung zudem hilfreich sein, weitere Visualisierungen zu nutzen. So können große Papierbögen (FlipChart, Metaplan) mit der Jahresplanung der Betriebsratsarbeit oder der Aufgabenverteilung zur Bearbeitung einzelner Themen beschriftet und im Betriebsratsbüro angebracht werden.

4. Feedback der Kolleginnen und Kollegen

Neben dem geordneten Vorgehen innerhalb des Gremiums kennzeichnet die aktive Einbeziehung und Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen eine gute Stellvertretungsarbeit. Dabei sollte das Feedback der Kolleginnen und Kollegen nicht nur am Ende, sondern bereits während des laufenden Prozesses eingeholt werden, auch um die zu entwickelnden Lösungen durch neue Ideen und Anregungen weiter zu verbessern. Denn nur gemeinsam mit den Beschäftigten können langfristig nachhaltige Lösungen für Gute Arbeit im Betrieb erzielt werden. Gleichzeitig kann so die Akzeptanz für die gefundenen Lösungen erhöht werden.